Mitten im Winter auf 420 km, in einer Woche durch Nordengland zu laufen, klingt irgendwie verrückt. Das ist es im Grunde auch.

Der Rucksack wiegt stolze 8-9 Kilo, was für eine Laufveranstaltung schon grenzwertig ist. Dennoch bleibt keine andere Wahl, denn alleine die Pflichtausrüstung umfasst 30 Artikel, vom Biwak bis zum Jetboil Gaskocher ist alles dabei.

Es gilt den Spagat zwischen dem optimalen Packmaß, dem Gewicht und den Kosten im Auge zu behalten. Grundsätzlich gilt schon die Devise, je leichter das Equipment umso teurer. Es ist problemlos möglich, mehrere Tausend Euro in die optimale Ausrüstung zu investieren.
Doch es gibt immer einen Mittelweg.
Ich lass euch in diesem Beitrag auf meine Packliste schauen. Im einem Fazit am Ende des Beitrags gehe ich dann nochmals drauf ein, was ich beim nächsten mal ändern würde und was sich bewährt hat.

Erste Hilfe Set:

Verpflegung:

 Für den großen Hunger, wenn man autonom unterwegs ist, bieten sich die Produkte von Trek n Eat  gut an. Hier bekommt ihr ne Menge Kalorien in Form einer warmen Mahlzeit. Allerdings müsst ihr hierfür auch immer eine längere Pause machen, um Wasser zu erwärmen um die Mahlzeit zuzubereiten. 

Für unterwegs und für kurze Stopps haben sich Schokolade (am besten schon in kleine Stücke gebrochen), Schokoriegel, Energieriegel, Marzipankartoffeln, Gummibärchen usw. als sehr tauglich erwiesen. Vergesst aber nicht, dass sich euer Appetit recht schnell ändern kann. Während ich in den ersten 3 Tagen  beim Spine Race, kaum etwas süßes essen konnte, hatte ich auf der 2. Hälfte fast nur noch süßes gegessen. Wichtig ist, dass ihr auch einen Vorrat an salzigem dabei habt, z. B. Chips, Salzstangen,  gesalzene Nüsse…. So seid ihr auf der sicheren Seite, für jeden Appetit gerüstet zu sein.  Achtet zudem darauf, dass ihr schnell und einfach an die Packungen ran kommt und unterwegs immer wieder zu kleinen Portionen greifen könnt, ohne jedes mal den Rucksack abnehmen  oder für längere Zeit die Handschuhe ausziehen zu müssen. Essen ist wichtig, vor allem wenn es kalt ist. Euer Körper braucht Energie um warm zu bleiben und euer Gehirn braucht Nahrung damit ihr auch in extremen Situationen in der Lage seid, Entscheidungen zu treffen und nicht die Nerven zu verlieren. 

Drop Bag:

Im Drop Bag habt ihr die Möglichkeit, Wechselklamotten, Ersatznahrung und  neue Batterien zu deponieren um euren Rucksack wieder aufzufüllen. Der Drop Bag darf max. 20 Kilo wiegen und ihr habt an allen großen Checkpoints (alle 70 bis 90 km) Zugriff darauf. Ich hatte hier auch alle meine Utensilien drin, die ich mit nach England gebracht habe (Kleidung fürs Ziel und die Heimreise). Es gibt zwar auch die Möglichkeit, eine weitere Tasche direkt ins Ziel bringen zu lassen. Darauf würde ich aber verzichten, denn wenn ihr aus irgendwelchen Gründen  das Rennen abbrechen müsst, macht es vll. gar keinen Sinn dann ins Ziel zu fahren. So habt ihr am nächsten Checkpoint alle eure Utensilien zusammen und könnt flexibel die Heimreise antreten oder noch ein paar Tage in England zubringen ohne dass ihr der Tasche hinterherlaufen müsst.

Wechselklamotten:

Im Drop Bag aber auch im Rucksack solltet ihr unter Umständen eine Auswahl an Wechselkleidung dabei haben. Auch wenn ihr äußerlich komplett in Gore Tex gehüllt seid, kann es sein, dass ihr bei einem Sturz ins Wasser oder bei starkem Regen doch einmal bis auf die Knochen nass seid. Dann müsst ihr euch auf jeden Fall umziehen und zwar so bald wie möglich. Der kalte Wind kann euch sehr schnell auskühlen, was dann nicht nur zur Aufgabe des Rennens führen kann, sondern unter Umständen auch sehr gefährlich für euch wird. Denkt also an genug T-Shirts, Jacken,  und Hosen sowie an das richtige Material. Jacken mit Daunenfüllung sind zwar oft wärmer als Primaloft, wenn diese jedoch nass sind verliert die Daune nahezu ihre komplette Wärmewirkung während Primaloft weiterhin eingeschränkt wärme spendet. Teste auch euer Equipment im Vorfeld, damit ihr ein Gefühl für das Gewicht, die Wärmeleistung, das Handling usw. bekommt.  Denkt bitte dran, alle Klamotten im Drop Bag nochmal zusätzlich wasserdicht zu verpacken. Es kann vorkommen, dass die Drop Bags bis zum Abtransport schon mal im nassen stehen.

Fazit:

Vom Prinzip bin ich mit meiner Packliste sehr zufrieden. Selbst bei den harten Bedingungen in diesem Jahr bin ich mit der Ausrüstung super zurecht gekommen.  Ich habe auch den Großteil der Ausrüstung einsetzten müssen, einzig den Biwak Sack musste ich glücklicherweise nie nutzen, weil ich immer andere, windgeschützte Schlafplätze gefunden habe. Im Rucksack hatte ich alle Wechselklamotten und den Schlafsack nochmal zusätzlich in SeaToSummit Beutel gepackt und alles war immer trocken geblieben. Als sehr hilfreich haben sich kleine, aber nicht zu kleine Karabiner erweisen. Hiermit konnte ich Utensilien z.B. Handschuhe oder Grödel, die ich immer wieder im Wechsel an -und ausziehen musste, einfach am Rucksack außen befestigen ohne dass ich diesen absetzten musste.

Was würde ich beim nächsten mal anders machen ?

Gamaschen: Ich nutzte die Montane Endurance Pro Gaiter, die im Matsch wirklich absolut gut funktioniert haben. Leider war das im Schnee nicht mehr der Fall. Im langen Klettverschluss hat sich immer mehr Schnee gesammelt, was dazu geführt hat, dass die Gaiter nicht mehr gehalten haben und abgefallen sind. Hier würde ich nach einer anderen Lösung ohne Klett suchen.

Trinksystem: Ich habe das zum Rucksack passende Trinksystem OMM H2OMM  gekauft. Das System besteht aus einer leichten Halterung, die am Tragriemen des Rucksacks befestigt wird und eine 0,5 l Flasche. Leider funktioniert die Halterung nicht so zuverlässig und somit ist mir ein paar mal die Flasche rausgefallen. Das ist nicht nur nervig, sondern kann auch fatal werden, wenn man den Verlust nicht gleich bemerkt und die Flasche womöglich weg ist. Hier würde ich auf eine andere Halterung setzten!

Schuhe: Ich war zwar mit den Speedcross sehr zufrieden, allerdings waren diese im tiefen und vor allem sehr klebrigen Schnee nicht ganz ideal. Hier wäre ein etwas höherer Schuh Schaft evtl. von Vorteil gewesen. Ich könnte mir vorstellen, dass man mit Speedhiking Schuhe z.B. von Salewa – MS Ultra Flex besser klar kommt.

Schneeschuhe Ja oder Nein ?  Ich hatte keine Schneeschuhe dabei, aber im nachhinein betrachtet, wären einigen Passagen mit Schneeschuhen einfacher und kräfteschonender gewesen.  Ich habe allerdings derzeit nur meine Tubbs Flex Alp Schneeschuhe im Besitz, diese sind aber für das Spine Race zu schwer. Fast 2 Kilo zusätzliches Gewicht ist hier leider nicht drin. Es müssten also deutlich einfachere und leichtere Modelle sein, die man sich in den Drop Bag packen kann und bei Bedarf mitnimmt, wenn sich das Wetter entsprechend entwickelt.

 

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