Race Stop in Dufton

Als ich um kurz vor 22 Uhr in Dufton im CP eintreffe, wird mir mitgeteilt, dass das Rennen, wegen eines angekündigten Unwetters unterbrochen worden war. Erst dacht ich, die wollen uns veräppeln, denn wenn ich daran denke, was ich bereits an Unwetter auf dem ersten Teil des Rennes erlebt hatte, kann es ja nicht schlimmer kommen.

Donnerstag, 18.01.18 – Das Race – Tag 5

Die Wettervorhersage für Mittwoch, an der sich aber für Donnerstag nichts ändert

Aber leider war es wahr. Fakt war, vor 5 Uhr des kommenden Morgens, gibt es hier kein weiterkommen. Die Tatsache, dass trotz der Unterbrechung, die Zielzeit, also Sonntag früh 8 Uhr, nicht verändert wurde, macht mich etwas nervös.
Ich sah schon das Finish, aufgrund der fehlenden Zeit, in Gefahr.
Aber es half ja nichts, im CP gab es einen großen Raum, in dem schon 15 Läufer gestrandet waren. Ich packe meine Iso Matte und den Schlafsack aus, telefonier kurz mit Christine und nutze die Zwangspause um so viel wie möglich zu schlafen.
Um 4:30 Uhr werden wir geweckt und bekommen die Info, dass das Rennen um 6 Uhr weiter geht. Ab jetzt verfolgt jeder seine eigene Strategie, ich gehe mit Micha zusammen in das naheliegende Kaffee und gönne mir ein britisches Frühstück.
Punk 6 Uhr bin ich wieder auf der Stecke. Im CP haben wir noch die Infos zum Wetter bekommen. In den Bergen soll es Schneien, zweistellige Minustemperaturen haben und durch den Nebel noch zusätzlich eingeschränkte Sicht herrschen.
Alles soll sich bewahrheiten. Die ersten 2 Berge laufe ich noch mit Micha zusammen, dann entscheidet er, aufgrund von Schmerzen in der Hand und dem Fuß, den Lauf abzubrechen.
Kurz vor dem 3. Gipfel des Tages bin ich dann auf mich alleine gestellt. Die Sicht ist so schlecht dass man kaum die Hand vor Augen sehen kann.

Am frühen Morgen in den Bergen

Am „Great Dunn Fell“, dem 3. Gipfel steht eine Radarstation der Britischen Luftraumüberwachung, diese ist nahezu nicht zu erkennen obwohl der Weg direkt daran vorbei führt. Die Fußspuren der Vorläufer sind durch die starken Schneeverwehungen in Sekunden wieder verschwunden.
Ich kann mich wieder nur anhand des GPS Tracks orientieren. Es geht auf den höchsten Punkt der Strecke, dieser nennt sich „Cross Fell“ und liegt auf 893 m. Hier angekommen treffe ich auf eine Gruppe aus 3 englischen Teilnehmern. Ich entschließe mich, der Gruppe für eine Zeitlang zu folgen, denn so hat man die Möglichkeit, sich bei der Wegfindung abzuwechseln und „Körner“ zu sparen.
Mittlerweile muss ich „Grödel“ an die Schuhe schnallen, denn nun wird es noch sehr eisig und verdammt rutschig auf den Bergab Passagen in Richtung Greg´s Hut.
Greg´s Hut ist eine kleine Steinhütte, die als CP fungiert. Hier kann ich mich mit einem warmen Kaffee wieder etwas aufwärmen und es gibt nochmal Wasser um die Flaschen aufzufüllen. Mein größter Respekt gilt aber den Helfern, die aufgrund des Wetters fast eine Woche in dieser Steinhütte, die lediglich einen Holzofen zum Heizen hat und in der es extrem feucht ist, ausgeharrt haben und auf kleinen Gaskochern für uns Läufer Kaffee, Tee und Suppe zubereitet haben.
Ich breche nach 30 min wieder in Greg´s Hut auf und mache mich auf den Weg ins Tal. Der Weg ist schön verschneit, aber gut zu laufen. Wieder geht’s es etliche Stunden und viele Kilometer begab, bis ich durch den kleine Ort Gargrill laufe. Die Einwohner sind hier sehr freundlich, der eine kommt mir gleich mit Keksen entgegen und der andere interessiert sich dafür, was wir hier bei dem Sauwetter treiben. Nach weiteren 6 Kilometer treffe ich im Checkpoint 4 in Alston ein.
Die für hier geplante Schlafpause wird aufgrund der Rennunterbrechung entfallen. Ich stärke mich nochmal mit einen leckeren Essen und lass mir die Füße neu tapen.

Füße Tapen im Checkpoint

Ich mache mir immer wieder Gedanken über die Zeit und das Finish, aber insgeheim bin ich aufgrund der Erschöpfung und der Schlafdefizits nicht in der Lage, zu überreisen, wie realistisch ein Finish ist oder wie gut ich in der Zeit liege.
Mein Plan war simple gehalten, ich will den nächsten Checkpoint in 64 km Entfernung, so schnell wie möglich erreichen. Ich bin ja schließlich hier her gekommen um zu laufen, also laufe ich so lange es das Zeitlimit her gibt.
Gemeinsam mit den 3 Engländern, die ich am Cross Fell schon begleitet hatte, mache ich mich auf den Weg. Mittlerweile ist es schon wieder dunkel geworden. Unsere Gruppe ist vom Tempo her nicht sehr harmonisch, irgendwie passt es nicht. Gemeinsam queren wir die 2 Moore bis wir in der Nähe von Greenhead ankommen. Hier gäbe es zwar ein Pub im Ort, da es aber nachts um 2 Uhr ist, hat diese geschlossen.
Unser Ziel für eine Pause ist das öffentliche Toilettenhäuschen kurz bevor es auf den „Hadrians Wall“ geht. Leider hatten nicht nur wir diese Idee, sondern auch einige andere Läufer nutzen dieses Möglichkeit für ein Biwak, so dass kein Platz mehr in dem Häuschen ist. Louise entscheidet sich kurz etwas Warmes zu kochen und gleich weiter zu laufen.

Freitag, 19.01.18 – Das Race – Tag 6

Ross, Steve und ich entscheiden uns, hier vor der Toilette unterm Dach, windgeschützt zu biwakieren. Ich koche mir Wasser für eine Trackingmahlzeit und einen Kaffee, um wieder etwas Energie zu bekommen.
Dann lege ich mich 20 min., für einen kurzen Power Nap, in den Schlafsack.
Danach packe wir zusammen, ich koche mir nochmal einen Kaffee und es geht auf den Hadrians Wall. Der Hadrianswall war ein römisches Grenzbefestigungssystem des britannischen Limes, das zwischen Newcastle und Solway Firth, nahe der heutigen Grenze zwischen Schottland und England in Großbritannien, angelegt war.
Der Pennine Way folgt dieser Befestigung unter ständigen Auf und Ab für ca. 17 km. Zusammen mit Steve laufe ich diese Passage, Scott wollte es langsamer angehen.
Voller Energie bin ich nach dem Power Nap wieder auf die Strecke, dennoch holt mich die Müdigkeit genau auf dieser Passage immer wieder ein. Aber ich weiß ja, man muss diese Zeit einfach überstehen und irgendwann kommt die Energie wieder zurück.

Unterwegs durch die Nacht

Nach dem Hadrians Wall, kommt eine der wenigen bewaldeten Passagen des Rennes. Doch hat auch dieser Wald seine Tücken, er wird auch „Wald des Grauens“ genannt. Der Grund ist simple, der Wald verläuft durch ein Moorgebiet, mit ziemlich tiefen Bogs. Es heißt also wieder volle Konzentration und wieder extrem nasse Füße. Dennoch kann ich auf dieser Passage einige Läufer überholen, von daher scheint mein Tempo gar nicht so schlecht zu sein.
Jetzt ist es nicht mehr weit und ich erreiche am Freitag 13:15 Uhr den letzten großen CP in Bellingham.

 

Chaos: Full Kit Check in Bellingham

Dies ist mit Abstand der ungemütlichste CP des ganzen Rennes. Der Aufenthaltsraum ist viel zu klein, nebenan gibt es eine Halle in der man auf seiner Iso Matte und dem Schlafsack schlafen kann. Leider ist der Raum nicht beheizt, so dass es hier eisig kalt ist.
Egal, ich gönne mir eine warme Dusche, was zu essen und lege mich 2 Stunden schlafen. Danach wache ich auf, weil mir kalt ist und ich entschließe, mich für den weiteren Weg fertig zu machen. Ich lasse mir erneut meine wunden Stellen an den Füßen tapen.
Danach steht hier ein „Full Kit Check“ an. Das bedeutet, dass hier die komplette Pflichtausrüstung kotrolliert wird. In dem kleinen Raum, eigentlich der Wahnsinn. Nach der Kontrolle ist mein komplettes Equipment durcheinander und ich bin erst mal 20 min. beschäftigt alles neu zu sortieren, damit ich auch nichts vergesse oder liegen lasse.

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